Zurück in den Kreislauf: Wie Brauereien Mehrwegflaschen und Bierkästen nach der Rückgabe automatisch sortieren

Du trinkst ein Kreuzwertheimer Hell, ein Bamberger Urstoff oder ein Pils aus dem Allgäu, stellst die leere Flasche zurück in den Kasten und bringst sie irgendwann zum Getränkemarkt. Für dich ist die Sache damit erledigt. Für die Flasche beginnt dagegen eine kleine Reise, die sie über Großhändler und Sammelstellen zurück zur Brauerei führt. Dort wartet eine Aufgabe, die viel komplizierter ist, als sie aussieht: Tausende Kästen mit unterschiedlichsten Flaschen müssen sortiert, gereinigt und geprüft werden, bevor wieder frisches Bier hineinkommt. In modernen Brauereien helfen dabei Sortieranlagen mit Sensoren und 3D-Kameras, die Kästen und Flaschen erfassen, während eine Software anhand der Bilddaten entscheidet, wohin jedes Gebinde gehört.

Wie das abläuft und warum gerade die deutsche Bierlandschaft die Sortierung so anspruchsvoll macht, erfährst du hier.

Warum Mehrweg in Deutschland so wichtig ist

In kaum einem anderen Land wird Bier so selbstverständlich in Mehrwegflaschen verkauft wie in Deutschland. Eine Glasflasche kann viele Male wiederbefüllt werden, bevor sie aussortiert und recycelt wird. Das spart Rohstoffe und Energie, setzt jedoch einen funktionierenden Rücklauf voraus. Das Pfand sorgt dafür, dass Flaschen und Kästen tatsächlich zurückgebracht werden. Für Bierflaschen aus Glas liegt es üblicherweise bei 8 Cent, für Flaschen mit Bügelverschluss bei 15 Cent und für einen Kasten bei 1,50 Euro.

Das Problem mit der Vielfalt

Was Biertrinker freut, ist für die Logistik eine Herausforderung: die enorme Vielfalt. Neben genormten Poolflaschen, die viele Brauereien gemeinsam nutzen, gibt es zahlreiche Individualflaschen mit eigener Form, Prägung oder Farbe. Dazu kommen Kästen in unterschiedlichen Farben und Größen. Im Getränkemarkt landen all diese Gebinde oft bunt gemischt im Leergut. Und nicht selten steckt im Kasten einer Brauerei die Flasche einer ganz anderen.

Gerade in Regionen mit vielen kleinen Brauereien, wie in Franken, kommen so unterschiedliche Rückläufer zusammen. Jede Brauerei möchte am Ende ihre eigenen Kästen und Flaschen zurückbekommen und fremdes Leergut an den richtigen Ort weitergeben. Früher wurde diese Arbeit oft von Hand erledigt, was viel Zeit und Personal erforderte. Automatische Sortieranlagen können diesen Aufwand heute deutlich verringern.

Station für Station: So läuft die Sortierung ab

Kästen erkennen und vorsortieren

Am Anfang stehen Paletten voller Kästen, die automatisch abgestapelt und auf ein Förderband gesetzt werden. Hier kann eine Kamera den Kasten erfassen, und die Software erkennt anhand von Farbe, Form und Logo, um welchen Kastentyp es sich handelt. Fremde Kästen werden ausgeschleust, eigene laufen weiter. Eine dreidimensionale Erfassung kann außerdem zeigen, ob ein Kasten voll, unvollständig oder mit falschen Flaschen bestückt ist.

Flaschen auspacken und Fremdflaschen aussortieren

Im nächsten Schritt greift eine Auspackmaschine die Flaschen aus dem Kasten. Anschließend laufen sie einzeln über ein Band. Sensoren und Kameras können dabei Höhe, Form, Farbe und Mündung jeder Flasche erfassen. Erkennt die Software eine Flasche, die nicht zur eigenen Abfüllung passt, wird sie aussortiert und für die Weitergabe gesammelt.

Waschen und reinigen

Die passenden Flaschen kommen in die Flaschenwaschmaschine. Dort werden sie in heißer Lauge eingeweicht, gespült und von alten Etiketten befreit. Auch die leeren Kästen werden gewaschen, bevor sie wieder bestückt werden. Dieser Schritt ist entscheidend für die Hygiene, denn zurückgegebene Flaschen können Reste von Bier, Staub oder in seltenen Fällen auch Fremdkörper enthalten.

Leerflaschen prüfen

Nach dem Waschen folgt eine weitere Kontrolle. Leerflascheninspektoren können Boden, Seitenwand und Mündung der Flasche aufnehmen, und die Software sucht in den Bildern nach Rissen, Abplatzungen am Rand, Verschmutzungen oder Laugenresten. Flaschen mit Auffälligkeiten werden aussortiert und gehen ins Glasrecycling. Erst danach wird wieder befüllt, verschlossen und etikettiert.

Warum Flaschen aussortiert werden

Nicht jede Flasche, die zurückkommt, darf wieder befüllt werden. Typische Gründe für das Aussortieren sind:

  • Beschädigte Mündung: Schon kleine Abplatzungen am Flaschenrand können dazu führen, dass der Kronkorken nicht dicht schließt.
  • Risse im Glas: Feine Risse sind von außen kaum sichtbar, können beim Befüllen unter Druck aber zum Problem werden.
  • Starke Abnutzung: Flaschen, die oft im Umlauf waren, bekommen einen typischen weißlichen Scheuerring. Ist er zu ausgeprägt, wirkt die Flasche unansehnlich.
  • Hartnäckige Verschmutzung: Wenn Reste in der Flasche auch nach dem Waschen sichtbar bleiben, wird sie nicht erneut genutzt.
  • Fremde Flaschenform: Flaschen anderer Brauereien passen oft nicht zu Etikett und Abfüllanlage und werden weitergegeben.

Ausgemusterte Flaschen sind übrigens nicht verloren. Sie werden zu Altglas und dienen als Rohstoff für neue Flaschen. Auch beschädigte Kästen werden in der Regel zerkleinert und zu neuen Kunststoffkästen verarbeitet.

Was du selbst für den Kreislauf tun kannst

Auch als Biertrinker kannst du der Brauerei die Arbeit erleichtern. Stell die leeren Flaschen möglichst in den passenden Kasten zurück und steck keine Kronkorken, Zigarettenkippen oder Etikettenreste hinein. Flaschen mit Bügelverschluss solltest du geschlossen zurückgeben, damit Gummidichtung und Bügel nicht verloren gehen. Und wenn du ein Bier aus einer kleinen Brauerei entdeckt hast, freut sich diese besonders, wenn ihre Individualflaschen den Weg zurück finden. So bleibt der Kreislauf intakt, und dein nächstes Lieblingsbier kommt wieder in eine saubere, geprüfte Flasche.

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